Recherchereise zur Ernährungswende in Dresden & Leipzig
Sonntag, 19. Februar 2023


















Unsere Recherchereise führt uns von Berlin nach Dresden und Leipzig:
In Dresden besuchten wir im Hygienemuseum die Ausstellung zu „Fake. Die ganze Wahrheit“ und ließen uns inspirieren von der sehr gut kuratierten gesellschaftspolitischen Analyse zu den hoch aktuellen Phänomen Desinformation, alternative Fakten, Lügen, Fake News oder Halbwahrheiten. Dabei diskutierten wir insbesondere die Wirkung dieses Phänomens auf unsere Diskurs-Kultur und damit einhergehend auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Weiter ging es zu René vom Grüntal, der Verbraucherinnen Gemeinschaft in der äußeren Neustadt Dresdens. Er konnte uns sehr persönlich und aus eigener biographischer Erfahrung von den Umbrüchen und der radikalen Veränderung des Ernährungssystems in Dresden durch die Wende berichten: Die Flut der Convenience-Produkte, der Discounter Kultur aus dem Westen sowie der EU Agrarsubventionen überschwemmte LPGs, kleinbäuerliche Strukturen und Verbrauchergemeinschaften. Mit dem Grüntal baute René zusammen mit einem Kollegen vor 15 Jahren einen Mitglieder basierten Nachbarschaftsladen mit regionalem Gemüse und Bioprodukten in der Dresdner Neustadt auf. Damit wird er seinem politischen Anspruch, lokale bedarfsorientierte Angebote im Rahmen von Versorgung zu machen. Leider kam der Termin mit der etablierten Verbrauchergemeinschaft Dresden (10.000 Mitglieder) nicht zustande.
Abends stiegen wir in den Fuchsbau vom Post Theater hinab: Das installative Parcours Theater erforscht die mythologische Rolle von Füchsen über Zeit und Raum hinweg vom japanischen Kaiserhof bis hin zu Johann Wolfgang von Goethe und baute dafür ein weitverzweigtes Tunnelsystem über zwei Etagen im Projekttheater in der Dresdner Neustadt. Uns inspirierte hier besonders der sinnliche Umgang mit Wegleitsystem, Timing und wie mit wenigen Mitteln auf kleinem Raum komplexe Welten erschaffen wurden (Save the date 22. Juli 2023! „Die Esserinnen“ auf dem AgrikulturFestival!)
In Leipzig hatten wir die Gelegenheit, eine der größten solidarischen Landwirtschaften in Europa kennenzulernen: Auf 35 ha produziert die 2021 gegründete KoLa Leipzig - direkt am Stadtrand- aktuell für mehr als 1200 Haushalte Gemüse. Der Versuch spiegelt den Wunsch, dass die SoLaWi Bewegung eine gesellschaftlich relevante Größe erreicht. Die KoLa Leipzig steht für nachhaltige Strukturen über ökologischen Gemüseanbau, genossenschaftliche Struktur mit kollektivem Eigentum, faire Löhne & keine strukturelle (Selbst-)Ausbeutung der Gärtnerinnen sowie zugängliche und solidarische Preise für die Mitglieder und mehr Convenience bei der Abholung durch Kooperation mit dem genossenschaftlichen Supermarkt „Konsum“. Wir sind sehr dankbar, dass Jan-Felix, einer der Gründer dieser SoLaWi 2.0, sich ausführlich Zeit genommen hat, uns dieses Konzept im Detail zu vermitteln: Schaffen wir es, die effiziente Produktionsweise der kapitalistischen Agrarindustrie in eigenen genossenschaftlichen Strukturen so zu nutzen, dass uns eine ökologische und solidarische Ernährungswende gelingt? Oder werden dadurch die solidar-ökologischen Ansätze einfach vereinnahmt und die herrschenden kapitalistischen Produktionsverhältnisse reproduziert und ein wenig sozial-ökologisch abgefedert? Das sind Fragen, die wir mitnehmen.
Die Recherche des #Esserinnenkollektivs ist gefördert vom
@FondsDarstellendeKünste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR und vom Kulturamt Freiburg.