"Hass: Von der Macht eines widerspenstigen Gefühls." Lesung und Austausch mit Șeyda Kurt
sexta-feira, 3 de julho de 2026
📖✨ „Von der Macht eines widerständigen Gefühls"
🔥 Was für ein Abend! Der große Hörsaal der Evangelischen Hochschule war zum Bersten voll, und trotz unfassbarer Hitze haben 270 Menschen online und offline den gemeinsamen Denkraum der Lesung und den Austausch dazu mit der Autorin Șeyda Kurt intensiv genutzt. Wir sind überwältigt über diese Resonanz! 🙏🔥
💬 Nach jedem gelesenen Abschnitt gab Șeyda Kurt uns allen die Möglichkeit, unsere Fragen zu stellen und die gelesene Textstelle zu diskutieren. Die Lesung führte von der geschichtlichen Einordnung des Hasses als ‚schlecht' geltendem Gefühl, das im Gegenteil zu den als ‚gut' konstruierten Gefühlen steht. Eine Dichotomie, die sowohl von Aristoteles aufgemacht wurde als auch von der christlichen Kirche bedient wird, die Kurt in ihrem Buch dekonstruiert. Es folgte eine kritische Auseinandersetzung mit Carolin Emckes Position zum Hass bis hin zu Kurts eigenen 5 Modi des Hasses. Den Abschluss bildeten fragmentarische Passagen aus dem zweiten Teil des Buches, in denen insbesondere abolitionistische Perspektiven im Zentrum standen. Es kamen viele Fragen aus dem Publikum, die die Autorin einluden, ihre 5 Modi des Hasses genauer einzuordnen oder ihre persönliche Involviertheit zu thematisieren, durch die sie sich mit diesem Buch auch vulnerabel zeigt. Die interessierten Zuhörer*innen haben mit ihren Fragen und Gedanken zusammen zu einem sehr gelungenen Diskussions- und Denkraum beigetragen!
❓ Worum ging es?
📚 In ihrem 2023 erschienenen Buch nimmt sich Șeyda Kurt dem ‚Hass' an und holt ihn aus der Ecke der ‚verdammten Gefühle' heraus. Sie stellt die Perspektiven marginalisierter Gruppen konsequent in den Vordergrund und zeigt anhand vieler Beispiele auf, wie sich strukturelle Diskriminierung auf unterschiedliche und vielfältige Weise auf die Menschen auswirkt. Exkludierende Strukturen, die nicht nur traurig oder wütend machen, sondern auch Hass auslösen können.
✊ Es gelingt ihr, den Hass in den Kontext von struktureller Diskriminierung und Ungleichheit zu stellen, ihn zu politisieren und ihm so eine emanzipatorische Kraft zu verleihen. Sie spricht dann von „strategischem Hass", der Widerstand hervorbringen und Antrieb für Veränderung sein kann – eine ungewöhnliche und befreiende Perspektive.
🌱 Vor dem Hintergrund rassistischer, kapitalistischer, patriarchaler und kolonialer Verhältnisse, die unsere Gesellschaften strukturieren, bietet das Buch viel Stoff für kontroversen Austausch. Gleichzeitig erzählt Șeyda Kurt Geschichten von Menschengruppen, die Wege jenseits ausgrenzender, unmenschlicher Strukturen suchen und leben – und schenkt damit nicht nur Hoffnung, sondern auch Ideen für ein menschliches, gleichberechtigtes Miteinander. 🌱
🎙 Moderiert und begleitet wurde der Abend von Isabelle Ihring, Banu Bayram und Johanna Dangel.
🤝 Eine Veranstaltung der Evangelischen Hochschule Freiburg in Kooperation mit zusammen leben e.V., dem Africa Centre for Transregional Research (ACT) an der Universität Freiburg und dem Jos Fritz.
✨ Danke an alle, die dabei waren! ✨
Fotos: Jule Schnellbach
