Freiburg, den 9. Juni 2021

Wir unterstreichen deutlich, dass das "Dear White People..." Festival ein rassismuskritisches Bildungsfestival ist und sich gegen jede Form von Diskriminierung ausspricht. Im Rahmen des Kuratoriums, aber auch auf dem Festival, dulden wir keinen Antisemitismus, keinen anti-asiatischen Rassismus, keinen antimuslimischen Rassismus, keinen antipalästinensischen Rassismus, keinen Rassismus gegen Sintizze und Romnja, keinen anti-Schwarzen Rassismus und keine weiteren Formen von Rassismus und Diskriminierung. Wir erwarten von unseren Kooperationspartner*innen die selbe Haltung.

Das Festival wurde von einem 16-köpfigen mehrheitlichen BIPoC Kuratorium, bestehend aus Vertreter*innen unerschiedlicher Organisationen und Privatpersonen kuratiert. Die Kuration des Festivals basiert(e) hauptsächlich auf unentgeltlicher Arbeit. Die Organisation des Festivals wurde vor allem aus dem Interesse und der Motivation heraus getragen, eine Plattform für marginalisierte Stimmen und Themen zu schaffen. Das Anliegen des Festivals war und ist es, aus einem politischen Antrieb gemäß des diesjährigen Mottos „Break the Silence!“, unbequemen Diskursen eine Plattform zu bieten und darüber zu diskutieren. Das bedeutet nicht, dass wir alle Ansichten und Perspektiven teilen. Aber wir wollen einen Raum für kontroverse Gespräche öffnen. Denn ein Schweigen zu unbequemen Diskursen verfestigt die Annahme eines Entweder Oders, einer Binarität , die der Komplexität diskriminierender Machtverhältnisse nicht entspricht. 

Zudem möchten wir darauf aufmerksam machen, dass zusammen leben e.V.  zwarTräger des Festivals ist, aber die Organisation des Festivals in den Händen des Kuratoriums liegt. Die Arbeit des Kuratoriums basiert auf dem Vertrauen von Seiten des Vereins bezüglich aller Entscheidungen, die es im Rahmen des Festivals zu treffen gab. Nach zwei erfolgreichen Durchführungen des Festivals „Dear White People...“ 2019 und 2020 hat der gemeinnützige Verein zusammen leben e.V. die Kritik ernst genommen, dass das Organisationsteam aus dem Verein mehrheitlich weiß besetzt ist und sich deshalb für die Durchführung des Festivals in 2021 hauptsächlich auf die Rolle des Trägers zurückgezogen, sowie die Organisation für ein großes, mehrheitliches BIPoC Kuratorium geöffnet. 

Im Rahmen des Prozesses der Aus- und Wiedereinladung von Palestina Spricht-Freiburg haben uns aus ganz Deutschland unterschiedliche jüdische Stimmen erreicht, die deutlich machen, dass es "die einheitliche jüdische Meinung" nicht gibt. Auch hier existiert Heterogenität, auch im Blick auf die Arbeit von Palestina Spricht-Freiburg. Sowohl das Kuratorium, als auch der Verein erhalten fachliche Beratung vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, das zu den weltweit bedeutendsten Einrichtungen seiner Art zählt, interdisziplinäre Grundlagenforschung zu Antisemitismus in seinen vielfältigen Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen in Vergangenheit und Gegenwart durchführt und zu der Leitungsgruppe der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus (Jerusalem Declaration on Antisemitism, kurz JDA) gehört.

Hinter der Kritik am Staat Israel kann sich Antisemitismus verbergen. Die Ortsgruppe von Palestina Spricht-Freiburg hat sich im Vorfeld in mehreren gemeinsamen Gesprächen mit dem Kuratorium explizit von Antisemitismus distanziert und auf der Demonstration am 15.05.21 entsprechend gehandelt.  (https://www.jupi-freiburg.de/korrektur-palaestina-spricht/)

Uns ist bewusst, dass die Thematik extrem polarisiert und zu einer schwierigen Lage führt. Deshalb ist es uns ein dringendes Anliegen, die Spaltungen nicht weiter zu befeuern, sondern Ansätze für Lösungen zu erarbeiten. Genau aufgrund dieser kontroversen Situation haben wir ein Podium organisiert, das den Diskurs, den wir gerade führen, auf einer Metabene beleuchtet: Wie kann in Deutschland ein Sprechen zur Situation in Israel und Palästina stattfinden und ein Raum für Dialog ermöglicht werden? Es sprechen am Samstag, den 12. Juni von 10-12 Uhr Uffa Jensen  (Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin), Meron Mendel (Direktor der Bildungsstätte Anne Frank), Alexandra Senfft (Aktives Mitglied im "AK für intergenerationelle Folgen des Holocausts e.V." und freie Autorin und Publizistin), Anna Esther Younes (Race Critical Scholar, Palästina Spricht), moderiert von Manuela Boatcă (Professorin für Soziologie, Uni Freiburg).  Sie sind herzlich eingeladen!

Das Kuratorium von "Dear White People..." mit dem Verein zusammen leben e.V.

Freiburg, 3. Juni 2021

Nach der Ausladung von "Palästina Spricht Freiburg" von unserem Festival kam es zu vielen Reaktionen von unterschiedlich positionierten Akteur\*innen, die uns als Kuratorium von "Dear White People..." noch einmal verdeutlicht haben, wie gravierend die Diskussionen um die israelische Besatzung im Westjordanland/Gaza, das Existenzrecht Israels als auch von Palästina sind. Diese vielen Stimmen, besonders aber unser gestriger Austausch mit Vertretern von "Palästina Spricht Freiburg," haben uns als Kuratorium von "Dear White People..." zu nachfolgender Positionierung gebracht:

Mit der Ausladung von "Palästina Spricht Freiburg" haben wir anti-palästinensischen Rassismus reproduziert, den Aktivist\*innen von "Palästina Spricht Freiburg" damit sehr geschadet und diese verletzt. Dafür bitten wir um Entschuldigung bei "Palästina Spricht Freiburg" und allen palästinensischen Stimmen, die damit gesilenced wurden. Anti-palästinensischer Rassismus besteht darin, die Geschichte und das anhaltende Leiden des palästinensischen Volkes zu leugnen. Er zielt auch darauf ab, diejenigen, die Israels Umgang mit den Palästinenser\*innen als kritisch ansehen, als antisemitisch darzustellen. Für weitere Ausführungen und Explizierungen, verweist "Palästina Spricht Freiburg" auf folgende Quellen: 3, Arab Canadian Lawyers Association, Independent Jewish Voices Canada, und British Columbia Civil Liberties Association 2020.

Zum Hintergrund: 

Der Ausladung von "Palästina Spricht Freiburg" ging teilweise massive Kritik voran, die vor allem auf dem Vorwurf beruhte, "Palästina Spricht Freiburg" sei antisemitisch. Für uns als Kuratorium wogen die jüdischen Stimmen, die diese Kritik äußerten, besonders schwer. Gefolgt von dieser Kritik gab es Drohungen, uns Fördermittel zu streichen, sollten wir an einer Kooperation mit "Palästina Spricht Freiburg" festhalten. Unter diesem starken Druck haben wir entschieden, die Gruppe wieder auszuladen. Das betrachten wir heute als Fehler. Der Antisemitismusvorwurf, mit dem "Palästina Spricht Freiburg" konfrontiert wurde, ist für uns an keiner Stelle ersichtlich geworden. 

Uns wurde in den letzten Wochen bewusst, dass nicht nur eine Sichtweise auf "Palästina Spricht Freiburg" existiert, sondern viele. Uns erreichten etliche jüdische Stimmen, die darauf aufmerksam machten, dass sie ebenfalls Betroffene von Antisemitismus seien, den Vorwurf an "Palästina Spricht Freiburg" jedoch nicht teilen und im Gegenteil darauf hinwiesen, dass dieser Vorwurf dem politischen Zwecke dienen würde, palästinensische Stimmen strukturell zu silencen. Die "Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahost" hat Formen der Instrumentalisierung in ihrem offenen Berief klar dargestellt: https://tinyurl.com/34sjd7zw

Die Drohung von einigen Förderern und Kooperationspartner\*innen, ihre Gelder von unserem Festival abzuziehen, steht weiterhin im Raum. Da wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht wissen, wie viel Gelder abgezogen werden, rufen wir die Referent\*innen und Künstler\*innen des Festivals auf, solidarisch mit "Palästina Spricht Freiburg" zu sein und, sollten tatsächlich Fördergelder gekürzt werden, gegebenenfalls auf ihr Honorar oder Teile ihres Honorars zu verzichten.

"Dear White People..." - gerade auch unter dem diesjährigen Motto LET'S BREAK THE SILENCE - zielt darauf ab, möglichst vielen marginalisierten Stimmen Raum zu geben; wir wollen Dialog und kein Silencing, auch weil wir davon überzeugt sind, dass dies der einzige Weg in eine diskriminierunsgfreiere Welt ist.

Wir wollen in Freiheit und ohne Diskriminierung leben und lassen uns nicht von weißen deutschen hegemonialen Bestrebungen, Schuld zu tilgen, in einseitig und dominante Diskurse drängen. Wir lassen uns weder spalten noch hören wir auf im Dialog zu bleiben!

Das Kuratorium von "Dear White People..."

Freiburg, 19. Mai 2021

Wir bitten um Entschuldigung: Wir haben die Situation unterschätzt!  Wir wollten palästinensische als auch jüdische Perspektiven auf dem "Dear White People..." Festival sprechen lassen.  Wir sind aktuell an unserem Anspruch gescheitert, allen Stimmen einen Raum zu geben. Dieses Scheitern und seine Gründe wollen wir in einer Veranstaltung reflektieren, die wir gerade planen.

Zum Kontext:

Die massive Einflussnahme von Institutionen, die Palestine Speaks Freiburg als antisemitisch einstufen und die  Rückmeldungen von Antisemitismus betroffener Personen hat uns dazu veranlasst, die Kooperation mit "Palestine Speaks Freiburg" zu beenden.

Es steht uns als Kuratorium, das weder palästinensische noch jüdische Positionen hat, nicht zu, hier die Deutungshoheit einzunehmen: Wir wollen weder Betroffenen von Antisemitismus noch Betroffenen von anti-palästinensischem  Rassismus ihre Erfahrungen und Einschätzungen absprechen. 

Für die nächste Ausgabe von "Dear White People..." rufen wir ebendiese Stimmen auf, sich unserem Kuratorium anzuschließen.

Hintergrund zu unserem Prozess: 

Schon zu Anfang unserer Kooperationsgespräche mit Palestine Speaks Freiburg wurden wir mit Antisemitismusvorwürfen gegenüber dieser Gruppe konfrontiert: Wir haben mit der Gruppe selbst, wie auch mit verschiedenen Expert*innen und Beratungsstellen gesprochen und uns auf dieser Recherche-Grundlage dazu entschieden, "Palestine Speaks Freiburg" als Kooperationspartner an Bord zu holen. 

Ein wiederkehrender Vorwurf ist die Nähe zu BDS. Der Jerusalemer Erklärung nach ordnen wir "Boykott,  Desinvestition  und  Sanktionen [als] gängige gewaltfreie  Formen des politischen Protests gegen Staaten [ein]. Im Falle Israels sind sie nicht per se antisemitisch." Desweiteren sind im Bezug auf Israel und Palästina eine "faktenbasierte Kritik an Israel als Staat", die "Unterstützung der palästinensischen Forderungen nach Gerechtigkeit und der vollen Gewährung ihrer politischen, nationalen, bürgerlichen und menschlichen Rechte, wie sie im Völkerrecht verankert sind" nicht per se antisemitisch.

Trotz differenzierter Recherchen wurden wir im Zuge der Veröffentlichung unseres Programms, in dem die Kooperation mit "Palestine Speaks Freiburg" als auch die von "Palestine Speaks Freiburg" organisierte Veranstaltung "Anti-palästinensischer Rassismus" öffentlich gemacht wurde, von Kooperations-, Förderpartner\*innen und anderen gesellschaftlichen Akteur\*innen scharf kritisiert, antisemitistischen Positionen Raum zu geben - bis hin zur Ankündigung, die bewilligten Fördergelder zurückzuziehen, wenn wir weiterhin mit "Palestine Speaks Freiburg" kooperieren. Wir haben die Kooperation am 17. Mai aufgelöst.

So geht es weiter:

Da wir unserer Überzeugung nach marginalisierte Stimmen (im gegenwärtigen Kontext palästinensische Positionen als auch jüdische) sprechen lassen wollen, organisieren wir kurzfristig eine alternative Veranstaltung zum Thema: Wie kann in Deutschland ein Sprechen zur Situation in Israel und Palästina stattfinden und ein Raum für Dialog ermöglicht werden? 

Das Kuratorium des rassismuskritischen Festivals "Dear White People..."

Freiburg, 18. Mai 2021

"Dear White People...Let's Break the Silence!" ist ein rassismuskritisches Bildungsfestival und als eine Plattform für gesellschaftlich marginalisierte Themen konzipiert. Wir dulden keinen Antisemitismus* und dieser hat - genauso wenig wie andere Diskriminierungsformen - keinen Platz auf dem Festival. "Dear White People..." soll die Vernetzung von BIPoC und Empowermentprozesse stärken, desweiteren ist es uns wichtig, Raum und Ressourcen für Gruppen zu schaffen, die Diskriminierung erfahren. Mit diesem Ziel haben wir nicht nur von Rassismus Betroffene, sondern Personen und Gruppen, die Expert\*innen, Aktivist\*innen, Autor\*innen, Künstler*innen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen sind, eingeladen zu selbstgewählten Themen Veranstaltungen zu kuratieren.

Als Kuratorium hatten wir uns für die Kooperation mit "Palestine Speaks Freiburg" als migrantische Selbstorganisation entschieden. Diese Entscheidung trafen wir nach mehreren Beratungen durch Expert*innen und Anti-Diskriminierungsstellen.

Mit der jüngsten Eskalation der Situation in Israel und Palästina wurden wir von Kooperations-, Förderpartner*innen und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen kritisiert, antisemitistischen Positionen Raum zu geben - bis hin zur Ankündigung, die bewilligten Fördergelder zurückzuziehen, wenn wir weiterhin mit "Palestine Speaks Freiburg" kooperieren. Am 17. Mai 2021 haben wir die Kooperation mit "Palestine Speaks Freiburg" beendet. Ausschlaggebend war dabei auch die Kritik der von Antisemitismus betroffenen Personen. Zudem, möchten wir das Festival und auch die zahlreichen Kooperationspartner*innen, die viel Zeit und Ressourcen zur Vorbereitung eingesetzt haben, ebenfalls nicht gefährden. Die Entscheidung war für das Kuratorium aufgrund der Komplexität des Diskurses schwierig, schlussendlich jedoch eindeutig.

Der Diskurs zum Israel-Palästina Konflikt polarisiert, was wir auch innerhalb des Kuratoriums spüren. Das macht ein Sprechen über diesen Konflikt besonders hier in Deutschland schwierig. Der Diskurs ist aber vielschichtiger als lediglich die Gegenüberstellung von einer pro-israelischen und einer pro-palästinensischen Seite. Auch innerhalb des Kuratoriums haben wir unterschiedliche Herangehenweisen, Ansichten und Bezüge zu diesem Thema, die wir in mehreren außerordentlichen Sitzungen diskutiert und reflektiert haben. Daher ist auch unsere Position als gesamtes Kuratorium wie auch innerhalb des Kuratoriums weder so binär noch einstimmig denkbar, im Gegenteil.

Uns ist es weiterhin wichtig, Raum für Dialog zu geben, weshalb wir anstelle des Vortrags zu "Antipalästinensischem Rassismus in Deutschland" eine Diskussion anregen wollen, wie ein Sprechen zur Situation in Israel und Palästina in Deutschland jenseits der genannten Binarität möglich sein kann. Diese Diskussionsrunde werden wir über unsere Website ankündigen.

Mit dem "Dear White People..." Festival rufen wir dazu auf, sich zu systemischem Rassismus, postkolonialen Theorien, Intersektionen, kolonialen Kontinuitäten und Entwicklungszusammenarbeit sowie Empowerment und Powersharing zu informieren, zu organisieren und aktiv zu werden. Sei dabei!

*In unserem Verständnis von Antisemitismus beziehen wir uns hier auf die Definition(en) der Jerusalemer Erklärung (https://diakblog.files.wordpress.com/.../jda-deutsch...).

Freiburg, den 15. Mai 2021

Wir sehen aus gegebenem Anlass die Notwendigkeit, uns an dieser Stelle zu positionieren:

Wir möchten mit dem "Dear White People..." Festival eine Plattform für diverse marginalisierte Gruppen schaffen.

Dabei ist es uns sehr wichtig, dass es sowohl palästinensische Stimmen als auch jüdische Perspektiven auf dem Festival gibt. Daher sind unsere Kooperationsparter*innen dieses Jahr Palestine Speaks Freiburg und die Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher Gemeinde. Es ist klar, dass wir keinen Antisemitismus dulden und dieser keinen Platz auf dem Festival hat. In unserem Verständnis von Antisemitismus beziehen wir uns hier auf die Definition(en) der Jerusalemer Erklärung (https://diakblog.files.wordpress.com/2021/03/jda-deutsch_final.pdf).

Aufgrund unserer Kooperation mit Palestine Speaks Freiburg haben einzelne Förderpartner\*innen mit Kritik reagiert und die weitere Förderung in Frage gestellt. Wir gehen in den nächsten Tagen mit den genannten Kooperationspartner\*innen ins Gespräch und werden Konsequenzen ziehen. Am Dienstag, den 18. Mai informieren wir mit einer ausführlichen Stellungnahme über unser weiteres Vorgehen.

Das Kuratorium der rassismuskritischen Bildungsreihe "Dear White People..."